Glossar

Als Diabetiker in seiner Blase, in der man nur von anderen Diabetikern umgeben ist, verfällt man schnell mal in Fachchinesisch. Regelmäßig bekomme ich Fragen zu bestimmten Begriffen – sei es von Freunden, die hier mitlesen und eben keinen Diabetes haben oder von anderen Diabetikern, die von einer Sache vielleicht zum ersten Mal hören.

Hier ist also eine Übersicht der wichtigsten Begriffe aus der Diabeteswelt für (nicht nur) Neudiagnostizierte und Nicht-Diabetiker!
Falls ihr eine Begriffserklärung vermisst – schreibt mir!


Diabetes mellitus Typ 1 Diagnose Insulin Spritzen


A


B

Basal(-insulin)
Langwirkendes Insulin, wird bei der ICT (Therapie mit dem Pen) eingesetzt und muss vom Anwender, je nach Insulin, ein bis zwei Mal am Tag gespritzt werden. Es stellt die „Grundversorgung“ des Körpers mit Insulin dar und hat eine Wirkdauer von 12 bis 24 Stunden.
Beispiele: Protaphane / Insulatard / Levemir / Tresiba (Novo Nordisk), Huminsulin / Abasaglar (Lilly), Insuman / Lantus / Toujeo (Sanofi-Aventis)

Basalrate
Die Menge an Insulin, die von der Insulinpumpe stündlich automatisch abgegeben wird. Muss regelmäßig durch Fastenintervalle (Basalratentests) getestet werden, um eine korrekte Dosis sicherzustellen.

BE
Die gängigste Einheit, in der Diabetiker ihre Nahrung berechnen. Das Kürzel steht für „Broteinheit“ und eine BE entsprechen 12g Kohlenhydrate. Somit hätte ein Brötchen mit 24g Kohlenhydrate also 2 BE. Mithilfe dieser Einheit wird anschließend entschieden, wieviel Insulin verabreicht wird.

Blutzuckermessgerät
Wird benötigt, um anhand von passenden Teststreifen und einem aus der Fingerkuppe entnommenem Blutstropfen den Blutzucker zu bestimmen. Hier ist nur eine Momentaufnahme möglich, steigende oder fallende Tendenzen werden nicht angezeigt.

Bolus(-insulin)
Kurzwirksames Insulin, was basierend auf den aufgenommenen Kohlenhydraten zu den Mahlzeiten gespritzt wird und eine Wirkdauer von 3-6 Stunden hat. Bei der CSII (Pumpentherapie) wird das kurzwirksame Bolus-Insulin zusätzlich auch stündlich als Basalrate abgegeben.
Beispiele: Actrapid / NovoRapid / FIASP (Novo Nordisk), Huminsulin / Humalog (Lilly), Insuman / Lispro / Apidra (Sanofi-Aventis), Liprolog (Berlin-Chemie)
Siehe auch: CSII, ICT, Pumpe, Pen, Basalrate


C

CGM
steht für Continuous Glucose Monitoring, also kontinuierliche Glukoseüberwachung. Hier kann der Anwender dank eines Sensors, der über einen kleinen Faden den Glukosewert im Gewebe misst, jederzeit seinen Glukosewert überwachen. Die Sensoren halten je nach Modell verschieden lange (6-7 Tage oder, bei implantierten Sensoren, muss der Transmitter regelmäßig aufgeladen werden) und werden i.d.R. vom Anwender selbst gewechselt. CGM-Systeme geben auf dem jeweiligen Empfängergerät individuell einstellbare Alarme ab, wenn der Blutzucker den Zielbereich verlässt. Trendpfeile zeigen an, in welche Richtung sich der Wert bewegt.
Derzeit auf dem Markt: Dexcom G4 Platinum, Dexcom G5 Mobile, Medtronic Guardian Connect, Roche EverSense

Closed Loop
Ein künstliches Bauchspeicheldrüsen-System, was bisher offiziell nicht auf dem Markt erhältlich ist – von einigen Anwendern aber selbst gebaut wird. Ein Algorithmus versucht hierbei den Glukosespiegel vorauszuberechnen und die Basalrate selbstständig anzupassen. Die Komponenten sind hierbei eine kompatible Pumpe, CGM, Smartphone sowie ein Einplatinen-Computer. Mehr Infos gibt’s bei Sugartweaks.

CSII
steht für Kontinuierliche Subkutane Insulin Infusion, also die dauerhafte Zuführung von Insulin – oder: Insulinpumpentherapie. Hier wird über ein Infusionsset stündlich eine festgelegte Menge kurzwirksames Insulin in den Körper injiziert; das zusätzliche Spritzen von Basalinsulin ist nicht nötig. Hiermit wird versucht, den Insulinstoffwechsel eines gesunden Körpers nachzuahmen. Bei richtiger Anwendung bieten sich hier (durch temporäre Basalraten beispielsweise) mehr Möglichkeiten als bei der ICT.
Siehe auch: Pumpe, Pen


D

Diabetes Typ 1
Autoimmunerkrankung, deren Auslöser bis heute unklar ist. Das Immunsystem wendet sich gegen sich selbst und zerstört die Langerhans’schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse, was dazu führt, dass kein Insulin mehr produziert wird. Insulin ist aber nötig, um Energie aus der Nahrung zu ziehen – daher muss es ab der Diagnose bis zum Lebensende per Injektion oder Insulinpumpe zugeführt werden. Zusätzlich zur Insulingabe muss der Patient regelmäßig seinen Blutzucker überprüfen und den Kohlenhydratgehalt in der Nahrung berechnen, um die richtige Dosis Insulin abgeben zu können. Eine andere Behandlungsmethode oder Heilung gibt es nicht.
Diabetes Typ 1 ist nicht bedingt durch Übergewicht oder einen ungesunden Lebensstil und der Betroffene darf auch nach wie vor alles essen, was er möchte – solange er Insulin dafür spritzt. Ohne Insulinzufuhr kommt es zu einer Ketoazidose, eine  Stoffwechselentgleisung, die tödlich enden kann.
Typische Symptome vor der Diagnose: Starker Harndrang, großer Durst, rapide Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Acetongeruch im Atem

Diabetes Typ 2
Die häufigste Form des Diabetes (rund 7 Millionen Betroffene allein in Deutschland). Hier ist nicht ein Insulinmangel der Auslöser, sondern eine verringerte Insulinempfindlichkeit der Körperzellen – eine Insulinresistenz. Es ist noch genug Insulin vorhanden, dieses kann aber vom Körper nicht richtig aufgenommen werden. Diabetes Typ 2 bildet sich meist erst im fortgeschrittenen Alter und kann erblich veranlagt oder durch Übergewicht und Bewegungsmangel bedingt sein. Hier kann eine Umstellung des Lebensstils (mit Sport und gesunder Ernährung) helfen; außerdem ist der Typ 2 meist noch mit Tabletten behandelbar. Manche Typ 2-Diabetiker müssen später trotzdem Insulin spritzen.


E


F

FGM
steht für Flash Glucose Monitoring. Hierbei wird ein Sensor auf der Haut getragen, welcher durch einen Faden den Glukosewert im Gewebe misst. Die Werte können abgerufen werden, indem der Anwender mit einem Lesegerät die Werte aus dem Sensor abruft. Dies muss spätestens alle 8 Stunden passieren, um eine lückenlose Glukosekurve darstellen zu können. Trendpfeile zeigen an, in welche Richtung sich der Wert bewegt. Der Gewebezucker hängt dem Blutzucker ca. 20 Minuten hinterher.
Derzeit auf dem Markt: Abbott FreeStyle Libre

FRIO
Meine liebste Kühltasche für unterwegs! Wird einfach in Wasser gelegt, durch Verdunstungskälte aktiviert und hält dein Insulin im perfekten Temperaturbereich. Gibt es für zwei Pens, mehrere Pens oder viele Ampullen, in Zwischengrößen, für Pumpen…


G

Glukosekurve
Der lückenlose Verlauf des Blutzuckers, dargestellt anhand eines Graphen.
Siehe auch: CGM, FGM, Sensor


H

HbA1c
steht für eine Form des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin (Hb), an der sich Glukose (Zucker) angelagert hat. Der HbA1c-Laborwert wird über das Blut bestimmt und gibt Aufschluss über die Blutzuckereinstellung der letzten 8 bis 12 Wochen. Bei Typ 1-Diabetikern ist ein Wert von unter 7% erstrebenswert; ein Gesunder hat einen HbA1C von etwa 5%.


I

ICT
steht für Intensivierte Konventionelle Therapie und beschreibt die Therapie mit dem Insulinpen (oder Spritzen). Hierbei muss ein bis zwei Mal am Tag ein Langzeitinsulin (Basal) gespritzt werden, welches eine Wirkdauer von 12 – 24 Stunden hat und quasi die Grundversorgung des Körpers mit Insulin sicherstellt. Zusätzlich muss zu den Mahlzeiten basierend auf der konsumierten Kohlenhydratmenge kurzwirksames Insulin (Bolus) gespritzt werden, welches eine Wirkdauer von 3-6 Stunden hat.
Siehe auch: Pen

Infusionsset
Der Teil der Insulinpumpe, der mit dem Körper verbunden ist. Es besteht aus einem Schlauchanschluss an der Pumpe, dem eigentlichen Schlauch und einem Katheter für den Körper (Stahl oder Teflon, verschiedene Längen). Es muss vom Anwender alle 2-3 Tage gewechselt werden.


J


K

Kalibrierung
CGM-Systeme verlangen in der Regel alle 12 Stunden einen „blutigen“ Messwert (also mit dem Blutzuckermessgerät bestimmt), um genaue Werte liefern zu können. Kalibriert werden sollte stets, wenn der Trendpfeil einen stabilen Glukosewert anzeigt – also idealerweise, wenn weder aktives Insulin noch Essen im Körper wirkt.

KE
Eine weitere Einheit, um den Kohlenhydratgehalt der Nahrung zu berechnen. KE steht für „Kohlenhydrateinheit“ und eine KE entsprechen 10g Kohlenhydrate. Somit hätte ein Brötchen mit 24g Kohlenhydrate also 2,4 KE. Mithilfe dieser Einheit wird anschließend entschieden, wieviel Insulin verabreicht wird.


L


M


N


O


P

Pen
Ein Gerät, das wie ein Stift aussieht (Pen eben) und zur Insulininjektion verwendet wird. Eine Ampulle, welche in der Regel 3 ml Insulin fasst, wird eingesetzt. Durch das Aufschrauben einer Einweg-Nadel, welche zwischen 4-12mm lang ist, kann das Insulin ins subkutane Fettgewebe injiziert werden.

Pumpe
Ein elektronisches Gerät, welches stündlich eine individuell bestimmbare Menge Insulin über einen Schlauch, der mit einem Infusionsset mit dem Körper verbunden ist, abgibt. Zusätzlich kann Insulin zu den Mahlzeiten abgegeben werden. Das Infusionsset verbleibt 2-3 Tage an einer Stelle im Körper (überall, wo auch Insulin gespritzt werden kann) und wird dann vom Anwender gewechselt; die Insulinpatrone muss ebenfalls vom Anwender gewechselt werden. Eine Pumpe ist zu jeder Tages- und Nachtzeit am Körper des Diabetikers und macht keinesfalls alles allein – bietet aber, wenn man sich mit dieser Therapieform auseinandersetzt, deutlich mehr Möglichkeiten als der Pen. So kann Insulin verzögert über mehrere Stunden abgegeben werden oder die Insulinzufuhr zum Beispiel beim Sport gestoppt werden.


Q


R


S

Sensor
Ein Sensor bezeichnet den Teil des CGM oder FGM, der auf (bei manchen Systemen unter) der Haut angebracht wird. Hier misst er mit einem hauchdünnen Faden den Glukosewert im Gewebe misst


T


U


V


W


X


Y


Z