Disneyland und Diabetes

Disneyland und Diabetes

Irgendwann einmal ins Disneyland zu fahren war immer mein Traum. Und dabei ging es mir gar nicht so sehr um die Fahrgeschäfte; mit so etwas habe ich nämlich exakt null Erfahrung. Meine Eltern waren keine Fans von Freizeitparks und so kam es, dass ich bisher in meinen 26 Lebensjahren tatsächlich kein einziges Mal in einem Fahrgeschäft saß. War das also der Grund, unbedingt nach Disneyland zu wollen? Fahrgeschäftstorschlusspanik?

Naja. Nein. Ich wollte primär dieses kitschige, rosa Schloss live und in Farbe sehen. Und generell den ganzen kitschigen Scheiß dort. Und Souvenirs kaufen. Ganz viele. Also – Freund eingepackt und los.

Zusätzlich war dies auch der erste kleine Trip, seitdem ich meine Pumpe habe. Wie man möglichst ungeschoren mit Diabetes, Pumpe und Insulin am französischen Nationalfeiertag (war klug…) bei über 30 Grad Celsius (…war auch klug) einen Freizeitpark übersteht, lest ihr hier!



Disneyland Paris Diabetes Type 1 Insulin Ypsopump



Disneyland und Diabetes – was muss mit?

Ja, Disneyland ist toll und schön und kitschig und irgendwie magisch und ich habe es wirklich geliebt! Aber es ist eben auch, was es ist: Ein Freizeitpark. Und die können bei über 30 Grad im Sommer ganz schön anstrengend sein. Was habe ich also eingepackt?

  • Wasser. Viel Trinken ist immer wichtig und bei Hitze ganz besonders. Eigentlich reicht eine mittelgroße Flasche, denn es gibt im ganzen Park verteilt Auffüllstationen, an denen ihr kostenlos Trinkwasser nachfüllen könnt!
  • Nicht schmelzende Hyposnacks (Obstriegel, Traubenzucker, Glukosegel, Gummibärchen, Müsliriegel ohne Schokolade)
  • FRIO-Tasche für den Pen, den ich mitgenommen habe, falls etwas mit der Pumpe sein sollte
  • Ersatz-Katheter, falls sich einer in der Hitze löst
  • Tape, um das CGM zu fixieren (ich hatte etwas Angst, dass ihn mir jemand im Gedrängel abreißt oder er einem Fahrgeschäft zum Opfer fällt)
  • … und natürlich der übliche Kram wie Messgerät, Teststreifen und so weiter.


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Disneyland und Diabetes: Was ist sonst noch wichtig?

Es gibt noch eine Reihe von Tipps – ob ihr etwas davon in Anspruch nehmt, hängt natürlich von euch ab.

  • DAS Card – Disabilities Access Service
    Ich habe öfter davon gelesen und auch auf Facebook habe ich einen Hinweis bekommen, dass man sich – sofern man im Besitz eines Schwerbehindertenausweises ist – durchaus eine spezielle Karte für Behinderte im Disneyland ausstellen lassen kann. Diese Karte erlaubt es euch und eurer Begleitperson, das lange Warten an den Schlangen zu überspringen und zu einer vorgegebenen Zeit direkt ins Fahrgeschäft gehen zu dürfen.
    Die Gefahr von Hypoglykämien beim langen Anstehen in der Hitze reicht wohl als Begründung aus und ja, tatsächlich wollte ich mir auch so eine Karte holen – hey, alle Vorteile mitnehmen, die gehen, oder? Erhältlich ist diese Karte im Disneyland Paris am Donald’s Desk und daran scheiterte es bei mir: Dieser befindet sich nämlich außerhalb von Disneyland, vor den Einlasskontrollen. Das habe ich allerdings erst hinterher bemerkt und wolle mich nicht noch einmal anstellen. Gerade für Eltern mit Kindern mit Diabetes würde ich das aber auf jeden Fall in Anspruch nehmen!
  • Sicherheitskontrolle
    Ist ja fast wie am Flughafen: Auch vor dem Eingang zum Disneyland wurden die Taschen kontrolliert, gescannt und man musste durch einen Metalldetektor gehen. Deswegen hatte ich zur Sicherheit mein Medical Certificate dabei, welches ich auch am Flughafen immer vorzeige. Es wollte zwar niemand sehen, aber sicher ist sicher 😉
  • Restaurants vorab checken
    Ich will nicht lügen: Disneyland ist nicht günstig und nach oben hin ist gerade bei den Restaurantpreisen quasi keine Grenze. Die Snacks, die man über den Park verteilt so findet, sind zu 90% Eis und Crêpes – wer sich also gesund ernähren will, sollte selbst Essen mitbringen.
    Für das Abendessen in einem der Restaurants gibt es mittlerweile sehr praktische Websites, in denen man sich die Speisekarte vorab ansehen und somit auch den BE-Gehalt der jeweiligen Speisen etwas abschätzen kann. Wir haben uns für das Plaza Gardens Restaurant entschieden, da es ein Buffetrestaurant ist und ich mir so mein Essen und die Mengen frei aussuchen konnte. Für 34,90 pro Person gab es ein wirklich hochwertiges All-You-Can-Eat-Buffet mit den verschiedensten Speisen, von Low- bis High-Carb ist hier für jeden etwas dabei 😉
  • Einen sicheren Platz für die Pumpe / das CGM finden
    Ich hasse es, meine Pumpe in dieser BH-Tasche zu tragen… und doch war es für das Disneyland eine gute Lösung. In einem BodyBand hätte ich mich totgeschwitzt; in der Hosentasche hätte ich Angst gehabt, dass sie mir in einem Fahrgeschäft unbemerkt raus fliegt. An der BH-Tasche war sie zwar etwas nervig für mich, aber sie war sicher verstaut und konnte sich nicht selbstständig machen oder verabschieden.
    Das CGM hatte ich mir, ohne nachzudenken, an den Arm gesetzt – und dann mit ordentlich Tape nachgeholfen, da mir einen Tag vorher einfiel, dass das wohl nicht so klug war. Das Dexcom ist nun mal klobig: Was, wenn es jemand abreißt? Dank Tape hat es gehalten, aber dass man in Fahrgeschäften schnell mal dank der Fliehkräfte nach außen gedrückt wird, ist eben so und ich hätte mich mit dem CGM am Bauch deutlich wohler gefühlt.


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Und wie hat sich der Blutzucker benommen?

Ich hatte wirklich keine Erwartungen an gute Blutzuckerwerte im Disneyland. Gar keine. Ich wusste ja, was es zu Essen geben wird und dass ich mich nicht zurückhalten werde 😉 Aber – Überraschung! – ich war den kompletten Tag über im Zielbereich und mein CGM hat kein einziges Mal Alarm geschlagen! Woran lags? An der Disney-Magie?

  • Viel Laufen!
    An sich ist Disneyland Paris gar nicht mal sooo riesig, aber man darf nicht unterschätzen, wie viel man doch läuft und auch steht, wenn man vor den Attraktionen auf den Einlass wartet. Bei uns waren es gut 12 Kilometer an einem Tag – und wenn man nicht abends stundenlang im Restaurant sitzt oder gelegentlich von der Hitze geplättet auf schattigen Bänken vor sich hin vegetiert, können es deutlich mehr werden!
  • Hitze!
    Durch die bessere Durchblutung der Haut verteilt sich das Insulin bei hohen Temperaturen schneller im Körper und kann auch intensiver wirken. Auch ich konnte meinen Essensbolus deutlich reduzieren und das hat, obwohl ich alles eher Pi mal Daumen gemacht habe, wunderbar geklappt.
  • Die Möglichkeiten der Insulinpumpentherapie.
    Eindeutig. Ich hatte meine Pumpe den ganzen Tag über auf 80% gestellt, da ich ja wusste, dass wir viel Laufen werden und es heiß sein wird. Kurz vor dem Abendessen wurde sie wieder auf volle Power gestellt und nach dem reichhaltigen Buffet für ein paar Stunden noch ein verzögerter Bolus abgegeben. Ich habe mich durch die Pumpe wirklich viel flexibler in meinen Entscheidungen an diesem Tag gefühlt und obwohl ich alles nur nach Gefühl mache, lief es auch hier wirklich gut!


Soweit meine Erfahrungen zu Disneyland Paris und Diabetes. Gerade blutzuckertechnisch lief es wirklich besser als erwartet und ich hatte eine tolle Zeit – und bin in meiner Entscheidung, meinen 30. Geburtstag in wenigen Jahren in Disneyworld Orlando zu feiern, gestärkt. 😉

Was ist euer liebster Freizeitpark und habt ihr Tipps und Tricks, die einem den Diabetesalltag dort erleichtern?



 

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2 thoughts on “Disneyland und Diabetes

  1. Ramona Snippe

    Sau toller Bericht….waren zufällig auch in Juli im Disney Land und unsere Dia Käthe habe ich fast kein Bolus gegeben , soviel am laufen….. aber magisch war es allemale….und der McDonalds herrlich preiswert hahahha…..

  2. Sandy

    Vielen Dank für Deinen Bericht. Wir fahren im Oktober mit unserem DiaZwerg auch ins Eurodisney. Einige deiner Tipps werde ich umsetzen. 🙂

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