Dexcom vs. Libre im Alltagstest

Dexcom vs. Libre im Alltagstest

Schon während des Tests war mir klar, dass das Dexcom und ich ein eingespieltes Team werden könnten – und nach ein paar vielen Wochen des Kampfes mit der Krankenkasse trage ich nun seit Ende Dezember das Dexcom G5 dauerhaft. Bis es bewilligt wurde, habe ich jedoch weiter das Freestyle Libre benutzt, wie auch die fast 2 Jahre davor. Doch welche Vor- und Nachteile haben die beiden Systeme eigentlich im Alltag? Da ich genau das auch sehr oft gefragt werde, ist es Zeit für einen kleinen Vergleich zwischen FreeStyle Libre und Dexcom G5.



Dexcom vs. Libre: Sensorsetzen!

Bevor man jegliche pizzaverschuldeten Blutzuckereskapaden live und in Farbe auf dem Display beobachten kann, muss das Ding natürlich erstmal in die Haut – egal, bei welchem System. Los gehts:

  • Also, den Dexcom zu setzen ist ganz einfach, zuerst desinfizierst du die Stelle, aber mit etwas, das nicht rückfettend ist, falls die Apothekerin mal wieder keine Ahnung hatte und es doch rückfettet, naja, viel Spaß, leg schon mal Kinesiotape bereit, jedenfalls ziehst du dann das Pflaster ab, klebst es auf, nimmst mit der einen Hand eine Hautfalte, entsicherst die Setzhilfe und katapultierst das Plastikstück ans andere Ende des Raumes weil es geklemmt hat, hälst eine Hautfalte, sprichst dir selbst ein bisschen Mut zu – ich hoffe, du hast dir die Nadel vorher nicht genauer angesehen -, schiebst dir besagte Nadel mit dem Kolben gefühlt bis zu deiner nichtfunktionalen Bauchspeicheldrüse in den Bauch, greifst um, ziehst die Nadel wieder raus, drückst auf die geriffelten Dinger an der Seite des Sensors und nimmst den Kolben ab, kramst nach dem Transmitter, setzt ihn darauf und drückst ihn mit dem kleinen Plastikhebel in den Sensor, weil deine Bauchmuskeln leider immer noch nicht hart genug sind, um genug Widerstand zu bieten. Ganz einfach, oder?
  • Beim Libre werden lediglich zwei Teile ausgepackt, aufeinander gesteckt, klick, wieder auseinandergeschraubt und fertig ist die Sache. Mit dem mitgelieferten Desinfektionstüchlein macht man die Stelle noch sauber, schaut sich auch hier trotz allem die Nadel besser nicht an, setzt es auf, drückt ordentlich drauf und bekommt mit einem ordentlichen PENG den Sensorfaden unter die Haut gejagt. Quasi, bevor man nachdenken konnte. Idiotensicher, oder? (Zumindest dachte ich das, bis ich eine Nachricht meiner besten Freundin bekam, wie man denn die Setzhilfe wieder aufzieht. Sie hatte den Sensor aus Interesse mal gegen die Tischkante ausgelöst. Ich bin immer noch sehr fasziniert.)

Hier geht der Punkt von mir an den FreeStyle Libre, da die Setzhilfe deutlich einfacher zu bedienen ist und für kleine Setzhilfenphobiker wie mich wenig Spielraum zum Zögern lässt. Generell wird die Sache mit dem Dexcom aber auch mit jedem Mal ein bisschen mehr zur Routine.


Dexcom vs. Libre: Das Aussehen

  • Der Sensor des Dexcoms könnte ja eigentlich auch schön klein und flach sein – könnte. Wenn da halt nicht noch dieser riesige Transmitter drauf müsste. Das in Kombination mit einem Pflaster, dessen Fläche gefühlt auch halb Russland abdecken könnte und schon ist man bereit, die weite Welt der CGMs zu erkunden. Schön zu Reden gibt es da für mich nicht wirklich was: Toll sieht’s nicht aus, aber hilft halt, also trage ichs. Wer dazu neigt, von Türrahmen und BH-Trägern attackiert zu werden, sollte aber aufgrund der Höhe besondere Vorsicht walten lassen.
  • Relativ klein, relativ flach und die Klebefläche unter dem eigentlichen Sensor angebracht: Das FreeStyle Libre ist zumindest optisch etwas netter gestaltet und wurde bei mir in der Tat sehr, sehr oft für ein Nikotinpflaster gehalten. Wer gerne gefragt wird, warum er noch einen bunten Aufkleber auf seinem Nikotinpflaster hat, kann sich sogar zusätzlich noch Sticker kaufen.

Fazit: In Sachen Aussehen hat tatsächlich meiner Meinung bisher nach das Libre die Nase vorn. Aber darum gehts ja nicht, richtig? 😉 Außerdem bin ich gespannt, wie sich das Aussehen des Dexcoms in den kommenden Jahren verändern wird – sicherlich zum Positiven.


Dexcom G5 CGM Diabetes Typ 1 FreeStyle Libre


Dexcom vs. Libre: Endlich durchschlafen

  • Noch mal kurz sicher stellen, dass der Akku einigermaßen voll ist, hinlegen, Licht aus, gute Nacht, bis morgen früh. Warte, was? Ja – tatsächlich muss ich seit dem Dexcom nachts endlich nicht mehr den Wecker stellen, um zu kontrollieren, ob mein Blutzucker Ausflüge in ungeahnte Höhen oder Tiefen unternimmt. Der Alarm weckt mich ja. So gut habe ich vermutlich tatsächlich seit Jahren nicht mehr geschlafen.
  • Mit dem FreeStyle Libre habe ich trotzdem nachts immer den Wecker gestellt. Ist natürlich schön, eine Kurve auf dem Display zu haben – da sieht man aber eben auch, wenn man die halbe Nacht wahlweise bei 60 oder 280 verbracht hat, ohne wach zu werden. Zwar ging die nächtliche Kontrolle immer noch schneller und komfortabler als mit Fingerstechen, aber wirklich erholsam ist es nicht, jede Nacht um 2:30 nochmal wach geklingelt zu werden – auch, wenn vielleicht gar nichts ist. Weder für mich, noch für meinen Freund.

Klarer Sieger: Dexcom!


Dexcom vs. Libre: Beim Sport

  • Handy irgendwo in der Nähe platzieren, Smartwatch dran und los gehts. Mit dem Dexcom habe ich beim Sport die Werte immer bequem im Blick, ganz ohne eine Pause einlegen zu müssen, um aufs Display zu schauen. Falls der Wert zu stark sinkt oder steigt, werde ich durch eine kurze Vibration darauf aufmerksam gemacht. Beim alleine sporteln ist es sicher kein Problem, mal kurz aufs Handy oder dem Empfänger zu schauen – aber gerade bei Kursen, bei denen eben ne Stunde durch gemacht wird, finde ich das schon praktisch. Natürlich klappt das nur, wenn man sich den Luxus einer Smartwatch gegönnt hat 😉
  • Klar konnte man das Libre auch irgendwo am Körper tragen, um den Wert mal kurz zwischendurch zu checken. Allerdings hatte es bei mir immer eine relativ starke Abweichung, wenn die Werte schnell gesunken oder gefallen sind. Die hat das Dexcom zwar theoretisch auch, praktisch stimmen die Werte bei mir aber so gut wie immer überein, auch bei sinkenden oder steigenden Werten. Somit habe ich dem Libre beim Sport nie so ganz getraut und fand es während oben genannter Sportkurse auch ein bisschen unpraktisch, dann kurz zum Nachmessen pausieren zu müssen. Jaja, Luxusprobleme.

Trotzdem: Punkt ans Dexcom.


Dexcom G5 CGM Diabetes Typ 1


Dexcom vs. Libre: Schwimmen & Sauna

  • Ein bisschen ausgefranst und abgelöst war der Rand des Dexcom-Pflasters nach dem Schwimmen schon und ich habe ihn zur Sicherheit danach zusätzlich fixiert, aber nie während des Schwimmens abgeklebt. Tendenziell würde ich auch den Schwimmbadbesuch wenn möglich so legen, dass ich den Sensor danach eh bald wechseln muss oder einen noch gesetzten Sensor ein paar Tage verlängern. Was ich etwas störend fand: Wenn man sich mit dem Dexcom mehr als 5-6 Meter vom Empfängergerät entfernt, verliert dieser leider das Signal. Beim Schwimmen und in der Sauna passiert das aber halt zwangsläufig. Das Signal ist normalerweise nach ein paar Minuten wieder da, aber um nur mal kurz zwischendurch den Blutzucker zu checken, bin ich dann doch auf die blutige Messung umgestiegen. In der Sauna war ich mit dem Dexcom bisher nicht.
  • Auch der Libre musste bei mir ausgedehnte Thermen- und Saunabesuche aushalten und hat das auch getan. Weder stundenlanges Dümpeln im Whirlpool noch die 90-Grad-Sauna haben ihm etwas ausgemacht und zumindest bei mir hat auch die Klebekraft kaum nachgelassen. Zwischendurch die Werte checken ist auch problemlos möglich, da diese ja eh nur durch Scannen mit dem Lesegerät abgerufen werden.

In Sachen Haltbarkeit haben beide Systeme den Praxistest mit Bravour bestanden. In Sachen „Werte abrufen“ ist es natürlich mit dem Libre etwas praktischer, da dieser keinen Signalverlust hat, wenn man weiter vom Lesegerät weg ist.


Dexcom vs. Libre: Haltbarkeit

  • Ich verlängere den Sensor meines Dexcoms oft nochmal um ein paar Tage, wenn er gut läuft – einfach, um ein paar Sensoren zu sparen und Ersatz zu haben, falls mal einer spinnt. Das Pflaster hält die vorgesehen 7 Tage bei mir gut durch, danach löst es sich an den Rändern etwas, aber auch nicht so sehr, dass der Sensor abfallen würde. Beim Abziehen merke ich dann immer, wie gut es doch noch geklebt hat. Hautreaktionen hatte ich bisher keine, dabei bin ich sehr empfindlich und habe auf quasi alle Pflaster eine Allergie.
  • Auch das FreeStyle Libre musste ich nach den 2 Wochen Tragezeit immer fast runter meißeln. Es hat geklebt und geklebt und geklebt – auch im Sommer, auch beim Schwitzen. Leider habe ich öfter mal auf den Kleber etwas allergisch reagiert.

Ich glaube, ich habe bei der „Klebekraft“ einfach nur extremes Glück mit meiner Haut, denn ich lese oft, dass Leute massenweise KinesioTape, SkinTac oder andere Klebe-Hilfsmittelchen brauchen, damit ihnen die Sensoren nicht abfallen. Ich konnte bei beiden Systemen keine großen Probleme feststellen, bis auf die gelegentlichen Pusteln unter dem Libre.


Das war also mein persönlicher Fazit zu den beiden Systemen. Im Großen und Ganzen muss natürlich jeder heraus finden, was für ihn am Besten funktioniert. Ich bin sehr glücklich damit, auf das Dexcom umgestiegen zu sein – auch, wenn es etwas klobiger ist. Ich sehr viel ruhiger, seit ich weiß, dass ich rechtzeitig alarmiert werde und ich mich auf die Werte in 95% der Fälle absolut verlassen kann, da die Abweichungen bei mir (wenn überhaupt) nur minimal sind.

Was tragt ihr – CGM oder FGM?


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Dexcom G5 CGM Vergleich FreeStyle Libre FGM


 

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