Dexcom G6 – Willkommen in der Zukunft!

Dexcom G6 – Willkommen in der Zukunft!

Ich habe euch da die letzten Monate über eine Kleinigkeit verschwiegen. Aber ich schwöre, es ging nicht anders – dafür ist es jetzt an der Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen! Mit dem offiziellen Launch des Dexcom G6 rtCGMs in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute, am 1. Oktober 2018, habe ich noch etwas zu verkünden:

Als erste Patientin in Deutschland durfte ich das brandneue Dexcom G6 rtCGM-System noch vor offizieller Markteinführung zur Probe tragen und für euch auf Herz und Nieren prüfen! Legen wir ohne Umschweife los – ihr seid vermutlich genauso gespannt, wie ich es war 🙂



Dexcom G6 rtCGM CGM Sensor Glukosemessung



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Mir wurde das System von Dexcom Deutschland GmbH vor offizieller Markteinführung in Deutschland zur Verfügung gestellt. Ich erhielt drei aus den USA importierte Sensoren sowie einen Transmitter, welche als „Engineering Sample“ deklariert waren.
Möglich war dies, da ich hauptberuflich bei Dexcom Deutschland GmbH tätig bin.

Für diesen Produkttest wurde ich weder zu etwas verpflichtet, noch bezahlt. Ihr lest hier wie immer meine eigene Meinung.



Dexcom G6 – Was gibs Neues?

Welche Neuerungen bringt das Dexcom G6 eigentlich mit sich, im Vergleich zu den früheren Systemen G4 Platinum / G5 Mobile? Ich habe zwar nach dem ATTD 2018 in Wien schon darüber berichtet, aber hier noch mal eine Zusammenfassung:

  • neuer, deutlich flacherer Transmitter (90 Tage Laufzeit)
  • komplett überarbeitete, einhändig bedienbare Setzhilfe (nicht wiederverwendbar)
  • neuer, überarbeiteter Empfänger mit Touchscreen (natürlich kann auch ein Handy als Empfänger genutzt werden)
  • keine Kalibrierungen notwendig (aber möglich)
  • 10 Tage Sensorlaufzeit
  • neuer Alarm: „Bald akut niedrig“ (Warnung 20 Minuten bevor der Wert unter 55mg/dl fällt)
  • verschiedene Alarmprofile (bspw. für Tags und Nachts)
  • keine Beeinflussung der Werte durch Paracetamol
  • Verbesserte Genauigkeit: Exakte Werte ab Tag 1


Dexcom G6 rtCGM CGM Sensor Glukosemessung


Dexcom G6: Die neue Setzhilfe

Das war wohl der Part, auf den ich mich am meisten gefreut habe! Ich fand die Setzhilfe des G5 immer ganz schrecklich, auch nach dem hundertsten Mal noch umständlich und fummelig zu bedienen und meistens auch schmerzhaft. Mag daran liegen, dass ich jemand bin, der sich Nadeln nur im Zeitlupentempo in die Haut schieben kann und deshalb dankbar ist für jedes Gerät, welches einem das abnimmt.

Nun hat man also eine vollautomatische Setzhilfe, die mich optisch ein bisschen an einen kleinen Staubsauger erinnert. In einer Packung befinden sich drei Sensoren – somit kommt man ziemlich genau einen Monat damit aus. Die Sensoren sind bereits in der Setzhilfe verbaut und natürlich einzeln und steril verpackt.

Vor dem Setzen darf man nicht vergessen, im Empfängergerät bzw. in der App (hier funktioniert das ganz komfortabel per Foto) den kleinen Code einzugeben, der unten auf dem Pflaster der Setzhilfe aufgedruckt ist – sonst funktioniert der Sensor später nur mit Kalibrierungen! Hat man dies erledigt, einfach Hautstelle desinfizieren, Pflaster abziehen, Setzhilfe platzieren, die Sicherung am orangenen Knopf entfernen und – KLACK – mit einem Knopfdruck den Sensor unter der Haut haben. Absolut schmerzfrei. Ich schwörs.

Die Setzhilfe ist übrigens nur zur einmaligen Verwendung gedacht und muss danach entsorgt werden. Warum ist das so? Nun, der Dexcom G6 ist um Welten genauer und das ab Tag 1. Um diese extreme Genauigkeit ab der ersten Minute garantieren zu können, muss die Verletzung der Haut so gering wie möglich gehalten werden und das kann nur durch eine sicher eingestellte Einwegsetzhilfe garantiert werden, die automatisch den perfekten Einschusswinkel und -tiefe garantiert.

Allerdings fände ich persönlich ein Recycling-System für die gebrauchten Setzhilfen gut, wie es das auch für die gebrauchten OmniPods gab!



Dexcom G6 rtCGM CGM Sensor Glukosemessung


Dexcom G6: Der Transmitter

Auch der Transmitter hat eine Überarbeitung verpasst bekommen. Während die Transmitter des G4 / G5 noch ziemlich hoch und auffällig waren, ist der Transmitter des G6 zwar nicht direkt kleiner – aber mehr als 30% flacher. Zusätzlich wurde er besser in die Sensorfassung eingepasst und steht dadurch nicht mehr über den Rand des eigentlichen Sensors hinaus. Es mag nur wie eine Kleinigkeit wirken, aber ich bin wirklich erstaunt, wie viel komfortabler und dezenter dieser flache Transmitter ist!

Es braucht jetzt auch keine Extra-Hebel am Sensor mehr, um den Transmitter zu befestigen: Einfach in den Sensor schieben und mit den Fingern fest drücken. Fertig.

Die Laufzeit hat sich übrigens nicht verändert: Der Transmitter hält nach wie vor 90 Tage und ist nicht wiederaufladbar. Ungefähr 3 Wochen vor Ablauf der Batterielaufzeit bekommst du eine Warnung.



Dexcom G6: Der Sensor

Die Sensoren an sich sehen immer noch ähnlich aus wie vorher: Hellgrau und mit weißem Pflaster. Hier machen die inneren Werte den Unterschied.

Auch der Dexcom G6 verlangt nach Starten des Sensor zwei Stunden Zeit, um aufzuwärmen. Positiv finde ich hier, dass in der App nicht mehr das sich füllende „Tortendiagramm“ sichtbar ist, sondern die Zeit bis zum Ende der Aufwärmphase minutengenau herunter gezählt wird.

Und dann?

Plopp. Ein Blutzuckerwert.

Ohne Kalibrieren. Nicht mit zwei Mal kalibrieren, nicht mit ein Mal kalibrieren – nein, ganz ohne Fingerstechen.

Natürlich bin ich trotzdem sofort zum Messgerät gerannt, habe mir die Lanzette in den Finger gedonnert und gespannt darauf gewartet, wie akkurat der Sensor ist. Und ich war erschüttert!

Dexcom: 103 mg/dl
Blutzucker: 107 mg/dl

Na, das kann sich doch sehen lassen! Ich kann also absolut bestätigen, dass das Dexcom G6 keine Kalibrierungen nötig hat. Ich habe regelmäßig morgens nach dem Aufstehen meinen Nüchternblutzucker konventionell mit dem Messgerät bestimmt und mit dem Dexcom G6 verglichen. Die Abweichungen lagen stets bei weniger als 10 mg/dl und nur wenige Male etwas höher – dann habe ich auch kalibriert, um die Genauigkeit zu gewährleisten. Ich wusste also, dass ich mich absolut auf die Werte des G6 verlassen kann und habe ich durchgängig sehr sicher gefühlt. Auch blutige Checks bei zu hohen oder zu niedrigen Werten haben immer absolut übereingestimmt.

Auch kommt mir der Sensor deutlich schneller vor. Während der G5 gerade nach dem Essen manchmal etwas gebraucht hat, um mir steigende Werte anzuzeigen, reagiert der G6 quasi sofort – ich war regelmäßig erstaunt, wie schnell und genau sich die Blutzuckerwerte veränderten.

Tja, alle schönen Dinge gehen irgendwann mal zu Ende, und im Falle des Sensors passiert dies nach exakt 10 Tagen, natürlich warnt einen die App auch entsprechend früh. Ich persönlich finde diese „krumme Zahl“ etwas schwierig, da bei mir sonst immer Sonntag Sensorwechseltag war und nun läuft er mitten unter der Woche ab. Von offizieller Seite her ist ein Verlängern des Sensors nicht möglich – ich sage, es geht doch. 😉 Dazu schreibe ich aber bald einen gesonderten Blogpost. Da der Sensor wirklich sehr genau misst, bin ich mir sicher, dass er das auch noch ein paar Tage länger schafft.



Dexcom G6: App & Follow

Da ich kein Empfängergerät gestellt bekommen habe (schade, denn auch das wurde überarbeitet!), habe ich mich gänzlich auf die App konzentriert – macht aber nichts, ich habe auch vorher beim G5 ausschließlich mein Handy als Empfänger genutzt.

Es gibt eine neue App, die ihr euch herunterladen müsst, um das Dexcom G6 zu nutzen. An sich sieht sie relativ ähnlich zur vorherigen App aus, nur ein bisschen schicker. Es gibt auch wieder eine Tagebuchfunktion (die ich – shame on me – nicht genutzt habe, da ich schon ewig mysugr verwende) mit der Möglichkeit, Events und Insulin zu loggen.

Es gibt zwei große Neuerungen:

  • Die Möglichkeit, verschiedene Alarmprofile einzurichten. So habe ich mein zweites Alarmprofil für nachts zwischen 22 und 7 Uhr eingerichtet, wo meine Grenze für den Hoch-Alarm deutlich niedriger liegt als tagsüber. Man kann das zweite Alarmprofil aber auch beispielsweise nur tageweise einrichten.
  • Ein neuer Alarm: „Bald akut niedrig“. Hier errechnet der Sensor, wie schnell der Blutzucker fällt und wie lange es dauern würde, bis man bei 55mg/dl angekommen wäre. 20 Minuten, bevor dies der Fall wäre, bekommt man eine Warnung. Ich finde diese Funktion absolut genial, da man so mehr als genug Zeit hat, einzugreifen – und es trägt enorm dazu bei, dass ich mich im Alltag mit Diabetes noch um einiges sicherer fühle.

Natürlich gibt es auch wieder für Freunde und Familie die Möglichkeit, per Follow-App die Werte des Diabetikers im Blick zu behalten – wenn dieser das denn möchte und die Werte freigibt. Hierzu muss der Follower sich die App auf sein Handy laden und der Diabetiker muss eine Share- Einladung senden, um dieser Person Zugriff auf die Werte zu erlauben. Es kann individuell eingestellt werden, ab wann der Follower eine Warnung bekommen soll und ob er auch Zugriff auf die Glukosekurve hat. Natürlich kann man die Funktion auch jederzeit wieder abstellen.



Dexcom G6 rtCGM CGM Sensor Glukosemessung



Vielen Dank fürs Lesen dieses ellenlangen Blogposts! Auf welche Funktion des Dexcom G6 freust du dich am Meisten? Lass es mich gern in den Kommentaren wissen 🙂

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20 thoughts on “Dexcom G6 – Willkommen in der Zukunft!

  1. Jürgen Götz

    Wie wird der Sensor vom G6 verlängert ???

    1. Hallo Jürgen,
      leider darf ich als Dexcom-Mitarbeiterin offiziell nichts dazu sagen. Über Google findest du aber bestimmt eine Antwort 😉

  2. Christiane Wonneberger

    Hallo Ramona, danke für den Beitrag über das G6. Hast du schon probiert den G6 Sensor zu verlängern?

    Liebe Grüße Christiane

    1. Hallo Christiane,
      leider darf ich als Dexcom-Mitarbeiterin offiziell nichts dazu sagen – bemüh doch mal Google oder die diversen Facebookgruppen 🙂
      Liebe Grüße

  3. Claudia

    Hey Ramona, ich hab seit heute den G6. Sag mal wo kann ich den denn von Gramm auf BE umstellen?
    Toller Blog…LG

    1. René

      Hallo, gab es auf die Frage von Claudia schon eine Antwort? LG

    2. Hallo Claudia,
      das ist leider nicht möglich, es geht nur in Gramm!
      Liebe Grüße und Dankeschön 🙂

  4. Bianca

    Hallo liebe Ramona, wie funktioniert der G6 mit der Appel Watch? muss das Iphone immer in der Nähe sein oder muss ich das Handy immer dabei haben , hat sich da vielleicht etwas geändert ?

    Liebe Grüße

  5. Podos

    Hey! Danke für den Beitrag! Ich habe noch ein Paar Fragen:
    ist der G6 jetzt auch langzeit-erprobt und zugelassen bzw. genehmigt?
    wird er jetzt auch von der AOK-Rheinland übernommen?
    ist er nur mit iOS kompatibel?
    ist er nur flacher oder auch schlanker geworden?
    bekommt man nur 3 Wochen vor dem Ablauf der Laufzeit eine Warnung oder kommen danach noch weitere?

  6. ChristianB.

    Hallo Ramona,
    vielen Dank für den tollen Testbeitrag von Dir. Da ich (und wahrscheinlich sehr viel andere Leidensgenossen-innen auch) sehnlichst auf das G6 gewartet haben, wäre meine Frage an Dich: Ist das DEXCOM Pflaster „allergiefrei“, d.h. evtl. Acrylat frei??? Ich benutzte im Moment noch das Freestyle Libre und habe, wie schon in vielen Blogs sehr gut und ausführlich beschrieben, eine extreme Kontaktallergie auf den Sensorkleber entwickelt.
    Hast Du da evtl. auch schon von berufswegen 🙂 Informationen??? Würde mich (uns) sehr freuen

    VG

    1. Hallo Christian,
      freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat!
      Unsere Pflaster sind hypoallergen und wir haben sehr viele Umsteiger, die mit dem Libre nicht zurecht kamen aufgrund allergischer Reaktionen. Die genauen Inhaltsstoffe wollte ich auch schon mal erfragen, konnten mir aber nicht genauestens genannt werden – aber acrylatfrei sind sie definitiv! Vielleicht könnt ihr euch ja mal ein Testsystem über eine Praxis besorgen?

      LG Ramona

      1. ChristianB.

        Hallo Ramona,

        vielen Dank für Deine Antwort. Hatte heute mal mit der Dexcom-Hotline telefoniert um weitere Infos zum G6 zu erhalten. Und die nette Dame von der Hotline hat mir prompt und total bürokratielos angeboten, ein paar Tragepflaster vom G5/G6 zu schicken, dass ich mal über einen „etwas längerem“ Zeitraum feststellen bzw. probieren kann, ob ich eine allergische Reaktion bekomme…… We`ll see Ich werde ab dieser Woche leider wieder „Stupfer“, (Freestyle und ich werden leider keine Freunde mehr, weder am rechten, noch am linken Oberarm, leider) wenn man(n) mal in den Komfort eines solchen Meßsystems gekommen ist, möchte man es nie mehr missen…….. VG + VD für Deine Blogs 🙂

        1. Manuel S.

          Hallo Christian,
          mich würde mal interessieren, wie Du das Dexcom Pflaster vertragen hast…. Bist Du auf den Dexcom G6 gewechselt? Ich trage aktuell den FSL, aber meine Haut reagiert immer heftiger auf den Kleber, und werde ihn wohl mittelfristig nicht mehr tragen können.

          Gruß
          Manuel

          1. ChritianB.

            Hallo Manuel,

            mein „Selbsttest“ mit einem Satz Tragepflaster verlief bisher OHNE Probleme. Vielen Dank auch nochmal an Dexcom, sie sind eine total aufgeschlossene Firma, kein Vergleich zu FSL, leider. Keine Scheu und melde Dich einfach bei Dexcom und besprich mit ihnen Dein Problem und Du wirst auch, für einen Selbsttest Pflaster bekommen können.

            Mein Wechsel ist mittlerweile angestoßen, leider hat bei meiner Krankenkasse -> SBK meine Sachbearbeiterin bez. CGM Geräte Mutterschutz bekommen und ihr Nachfolger tut sich noch etwas schwer 🙂 aber es läuft und sollte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis meine erste Grundausstattung vom G6 kommt. Ich habe auch zwischenzeitlich 2! Allgerietests gemacht und habe die Gewissheit, dass ich leider einer von den Betroffenen bin, welche auf die Acrylate sehr stark reagieren, die im FSL Hautkleber sind. Ich habe gegen die roten, entzündeten Tragestellen des FSL vom Hautarzt eine Salbe Names „ADVNTAN 0,1 % Creme“ (enthält Cortison!!) verschrieben bekommen, und diese wirkt sehr sehr gut!!! Ich kann Dir nur empfehlen, einen Hautarzt deines Vertrauen sowie auch deinem Diabetologen zu kontaktieren, dass Du relativ schnell wechseln kannst. Auch ein Umstieg sollte bei Deiner Krankenkasse bei allergischer Reaktion möglich sein, da auch diese daran interessiert sein sollte, einen „gesunden+ zufriedenen“ Kunden zu haben. Btw. FSL spricht von ca. 5% allergischen Reaktionen, meine Krankenkasse von 30%+ und eine gute Freundin meiner Frau arbeitet bei der AOK, auch hier sind wir schon bei 15 – 20 %, Tendenz wohl steigend.

            VG Christian

  7. Tronar

    Erstmal danke für den interessanten Bericht. Schon toll zu sehen, wie Dinge immer weiter optimiert werden können, Wenn einmal der Durchbruch geschafft ist.
    Was mich noch interessiert: Wie findet die Datenübertragung zum Handy statt? Via Bluetooth? D.h. Das Handy muss die ganze Zeit mit aktiviertem Bluetooth in der Nähe bleiben?

    Und was ist, wenn das Handy mal zwei Stunden woanders war? Speichert der Sensor die Werte dann zwischen oder hat man eine Lücke in der Kurve?

    1. Hi Tronar!
      Genau, die Datenübertragung findet über BLE (Bluetooth Low Energy) statt. Das Ganze hat eine Reichweite von 6 Metern. Bist du weiter entfernt, empfängst du keine Warnungen mehr. Allerdings werden die letzten 3 Stunden „aufgefüllt“, wenn man länger vom Handy weg war, so dass man keine Lücke in der Kurve hat.

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