ByeBye Fiasp – Zurück zu NovoRapid

ByeBye Fiasp – Zurück zu NovoRapid

Im April 2017 bin ich, kurz nach der Zulassung auf dem deutschen Markt, auf das ultra-schnell wirkende Kurzzeitinsulin Fiasp von Novo Nordisk umgestiegen. Mit NovoRapid hatte ich damals immer große Probleme mit postprandialen Spitzen (also sehr hohem Blutzucker nach dem Essen), den ich trotz Korrekturen stundenlang nicht wieder in den Zielbereich bringen konnte.

Anfangs lief es auch sehr gut mit Fiasp, wie man meinen begeisterten Testberichten nach der ersten Woche und dem ersten Monat entnehmen konnte. Ich war damals noch auf ICT eingestellt, spritzte also mein Basalinsulin Tresiba einmal täglich und zu den Mahlzeiten das Fiasp. Die Spitzen nach dem Essen waren Geschichte und meine Einstellung ziemlich gut.





Was ist seitdem passiert?

Nachdem Tresiba vom deutschen Markt genommen wurde (es soll aber Ende 2018 wieder verfügbar sein) und ich mit allen anderen Basalinsulinen Probleme hatte und außerdem neugierig auf neue Therapiemöglichkeiten war, stieg ich im Mai 2018 auf die Pumpentherapie um. Seitdem ist die YpsoPump mein treuer Begleiter – und, logisch, ich füllte erstmal Fiasp ein.

Wirklich lange glücklich war ich mit dieser Entscheidung jedoch nicht.


Brennen, Stechen, Aua

Was mir zuerst und sehr schnell auffiel, seit ich auf die Pumpe umgestellt hatte: Die Bolusabgaben brennen wahnsinnig. So sehr, dass es mir nicht möglich war, schmerzfrei mehr als 1 einzige Einheit Insulin abzugeben – ich nutzte also den verzögerten Bolus für alles, was teilweise sehr nervig sein kann. Auch bemerkte ich direkt zu Beginn der Pumpentherapie schmerzende und gerötete Einstichstellen. Mit Teflonkathetern ergab sich das gleiche Phänomen, weswegen ich eine allergische Reaktion auf die von mir genutzten Stahlkatheter ausschließen kann. Anmerkung am Rande: Mit dem Pen hatte ich dieses Phänomen selbst bei größeren Mengen Fiasp nie.

Zeitweise wurde dies besser, doch nachdem ich während meines Urlaubs in Kenia eine dreiwöchige Pumpenpause einlegte und danach die Pumpe wieder anlegte, wurde es wieder schlimmer. Ich konnte einen Katheter kaum einen Tag liegen lassen, da es wie wahnsinnig brannte, stoch und gerötet war. Nicht die besten Voraussetzungen.



… und die postprandialen Spitzen waren wieder da

Außerdem bemerkte ich seit der Pumpentherapie, dass Fiasp zunehmend schlechter zu wirken scheint. In den ersten 1 bis 2 Stunden nach dem Essen war noch alles okay – danach stieg der Blutzucker ins Unermessliche. Das waren keine postprandialen Spitzen mehr, sondern eher stundenlange Plateaus. Da die Wirkdauer des Insulins für mich scheinbar zu kurz ist, waren Werte von 280 mg/dl aufwärts wieder an der Tagesordnung und mein vorher hart erkämpfter HbA1C von 6,6% in Rekordzeit zunichte gemacht. Auch wirkten Korrekturen per Pumpe kaum noch und selbst mit dem Pen brauchte ich riesige Mengen an Fiasp, um den Blutzucker auch nur ein bisschen zu senken.


Back to the Roots

Ich hatte bereits bei anderen Bloggern und auf Instagram öfter mitbekommen, dass viele früher oder später solche Probleme mit Fiasp hatten. Nach einem Besuch bei meiner Diabetologin war also klar: Ich wechsle zurück zum NovoRapid und sehe, ob es besser damit läuft. Eigentlich witzlos, da Fiasp ja theoretisch das gleiche Insulin ist – nur mit mehr Zusatzstoffen versehen, um einen schnelleren Wirkeintritt zu erreichen. Dennoch wollte ich sehen, ob es wirklich am Fiasp liegt und ob sich mit dem „Rückschritt“ auf NovoRapid eine Besserung einstellt.

Mittlerweile läuft NovoRapid seit gut 10 Tagen durch meine Pumpe und ich kann jetzt schon erhebliche Verbesserungen feststellen. Zwar ist meine Basalrate noch etwas schief und müsste dringend an ein paar ruhigen Tagen (… die ich momentan nicht habe) überarbeitet werden, aber auch das bekomme ich noch hin. Ab und zu nutze ich Fiasp noch im Pen, zum Beispiel bei großen Kohlenhydratmengen oder im Restaurant, wenn ich keinen Spritz-Ess-Abstand einhalten kann und da wirkt es bei mir paradoxerweise auch wunderbar. Doch in die Pumpe werde ich es sicher nicht wieder einfüllen.

Besonders beim Essensbolus läuft es endlich wieder, wie es soll. Wenn der Blutzucker nach dem Essen ansteigt, sinkt er auch wieder in den Zielbereich zurück – was mit Fiasp absolut nicht der Fall war. Außerdem kann ich endlich die Insulinmengen, die ich benötige, auch auf einmal abgeben, ohne mich auf elende Schmerzen einstellen zu müssen. Win-Win also.



Auch auf Instagram und Facebook hatte ich in einigen Posts nachgefragt, ob andere das gleiche Phänomen beobachtet hatten und traurigerweise kamen sehr viele Rückmeldungen mit der gleichen Problematik. Falls ihr also auch Probleme mit dem Insulin habt – traut euch, wieder zu wechseln. Neu heißt nicht gleich besser – auch das musste ich hier erst lernen und kann nun hoffentlich lange glücklich und in Frieden mit meiner Pumpe leben. 😉



 

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8 thoughts on “ByeBye Fiasp – Zurück zu NovoRapid

  1. Tronar

    Meine (komplett unärztliche, laienhafte) Theorie ist ja, dass diese Zusätze in FIASP (offiziell genannt sind Vitamin B3 (Niacinamid) und L-Arginin), welche die Hexamerbildung stören und somit die schnellere Wirkung erreichen, vielleicht die Stichstelle reizen oder dort bestimmte Prozesse in der Haut um den Katheder herum beeinflussen, sodass es zu diesen Schmerzen kommt. Warum allerdings dann auch die Wirkung beim parallelen Spritzen mit einem Pen mit FIASP zu veränderten Wirkprofilen kommt, ist damit nicht beantwortet. Vielleicht hat NovoNordisk da noch mehr reingepackt als nur die zwei genannten Stoffe, erwähnt das aber nicht, um der Konkurrenz den Nachbau nicht zu einfach zu machen.

    Ich habe mit FIASP im Pen (!) auch schon etwas merkwürdige Verläufe gehabt, wo ich einen Blutzuckeranstieg über den Zielbereich hinaus gemerkt habe und dann ordentlich mit FIASP dagegen spritze (z.B. 6 Einheiten) zwei Stunden später der BZ dann aber immer noch auf diesem hohen Niveau geblieben ist, anstatt abzusinken.

    Jetzt habe ich leider meine FGM fast zeitgleich mit FIASP begonnen, sodass ich die Kurven nicht direkt mit denen mit NovoRapid-Zeiten vergleichen kann. Aber wenn ich das mit meinen Erinnerungen mit blutiger Messung vergleiche, kann ich mich nicht erinnen, nach 6 Einheiten NovoRapid faktisch keine richtige Wirkung erlebt zu haben.

    Da ich noch 6 Ampullen NovoRapid im Kühlschrank liegen habe, überlege ich, vielleicht doch nochmal testweise zurück zu wechseln. Wobei die schnelle Wirkung beim Spritzen direkt vor dem Essen mit vermutlich dann fehlen wird. Komische Sache, das ganze.

  2. Angela Berni

    hab gerade heute min meinem Diabetologen darüber gesprochen, er meinte auch dass Fiasp in der Pumpe offenbar etwas mehr Probleme macht (auch im Zusammenhang mit Verstopfungen), hab darum jetzt mal Novorapid und Humalog gefasst, mal schauen ob ich was merke 🙂
    lg

  3. Tronar

    Schade, dass Fiasp für Pumpen anscheinend oft Probleme macht. Andererseits ist es ja in der Tat nur NovoRapid ergänzt um ein paar Adjuvanzen, die die Zusammensetzung in Form von Hexameren verhindern soll, weil das die Wirkung verzögert. Und da die Pumpe ja sowieso ständig Insulin abgibt, sollte das keine so große Rolle spielen.

    Was ich allerdings nicht verstehe: wieso spritzt Du trotz Pumpe dann mit dem Pen weiterhin Fiasp, wenn Du große Kohlehydratmengen konsumierst? Einfach nur, um die Spitze flacher zu halten aufgrund des leicht schnelleren Wirkbeginns? Also umgekehrt gefragt: wenn es kein Fiasp gäbe, würdest Du auch keinen Pen parallel zur Pumpe verwenden?

    1. Hallo Tronar!
      Ja genau, deswegen spritze ich ab und zu noch Fiasp mit dem Pen. Ich weiß nicht, warum es mit der Pumpe bei mir so gar nicht funktioniert hat (vielleicht war die zweitägige „Dauerbelastung“ einfach „zu viel“ für die Katheterstellen in Kombination mit diesem Insulin); mit dem Pen „knallt“ es bei mir aber ziemlich. Wie du richtig erkannt hast, spritze ich deshalb Fiasp mit dem Pen, damit ich bei kohlenhydratreichen Mahlzeiten nicht ganz so sehr ansteige.
      Wenn es Fiasp nicht geben würde, würde ich vermutlich nur NovoRapid über die Pumpe abgeben, ja. Vielleicht würde ich bei sehr großen Insulinmengen trotzdem den Pen dafür benutzen – einfach, weil ich bei mir festgestellt habe, dass die Katheter größere Insulinmengen bei mir nicht gut mitmachen.
      LG Ramona

  4. Angela

    wow, du sprichst mir gerade aus der Seele! Auf die Idee kam ich irgendwie noch nicht, obwohl ich seit Umstellung auf Pumpe auch mind. 4h warte, bis das Insulin komplett gewirkt hat…
    Und jetzt wo ich das so gelesen habe, wird mir so einiges klar, Danke vielmals!

    1. Freut mich, dass dir der Bericht geholfen hat! 🙂

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