5 Fehler bei der CGM/FGM-Therapie

5 Fehler bei der CGM/FGM-Therapie

Keine Frage: CGM wie Dexcom, Enlite oder EverSense, die den Glukosewert im Blut in Echtzeit übermitteln und sogar Alarme ausgeben, sind ne tolle Sache. Auch das mittlerweile weit verbreitete FGM-System aus dem Hause Abbott, das FreeStyle Libre, welches per Scan die Messwerte abruft, ist ne tolle Sache – und war auch mein Einstieg in die weite Welt der kontinuierlichen Glukosemessung.

Aber so ein paar Punkte gibts, da hätte ich mir gewünscht, dass mich jemand nochmal explizit darauf hingewiesen hätte. Oder mich auch heute noch jemand kurz schütteln würde, wenn ich dazu neige, bestimmte Verhaltensweisen wieder und wieder an den Tag zu legen – auch, wenn ich es eigentlich besser weiß. Ich hoffe, dieser Post ist eine kleine Hilfe für alle, die neu dabei sind beim Thema CGM / FGM. Und die Langzeitnutzer erkennen sich bestimmt in einigen Punkten wieder. 😉



1. Überreaktion

Ihr kennt das sicher. Man kommt gerade vom Sport, der Wert ist bei 80 und fällt noch weiter – also rein mit dem Traubenzucker. Alles gut. Ich weiß, um wieviel dieses Plättchen Traubenzucker meinen Blutzucker ungefähr anheben wird.
Etwas später: Auf dem Display meines CGMs lacht mich eine 130 an – mit zwei Pfeilen senkrecht nach oben. Panisch gebe ich schonmal 2 Einheiten ab, um diesen Anstieg einzufangen. Fünf Minuten später schaue ich wieder auf das Display: 127. Pfeil gerade. Und ich habe mir gerade 2 Einheiten Insulin gespritzt. Klasse. Nicht.

Mit CGM oder FGM neigt man dazu, den Verstand abzuschalten und sich zu sehr von den Trendpfeilen beeinflussen zu lassen. Bei oben genanntem Beispiel hätte ich wissen müssen, dass der Traubenzucker mich nicht über 140 mg/dl bringen wird und auch schnell wieder abflachen wird. Stattdessen habe ich mich von den zwei Pfeilen nach oben panisch machen lassen. Wir vergessen oft, dass die Pfeile anzeigen, was der Blutzucker gerade gemacht hat: Eben wegen des Traubenzuckers stark steigen. Das heißt nicht, dass er ewig weiter steigen wird und man irgendwann bei 240 ist, oder bei 340.


2. Ungeduld

Ich hab doch grad gegessen. Das müsste doch schon längst ins Blut gegangen sein. Der Pfeil müsste eigentlich schon hochgehen. Hallo? Essen? Komm bitte endlich an! Meine Güte, dann ess ich eben noch was.

Und dann, ihr ahnt es schon, kommt die geballte Ladung mal wieder auf einmal an. Auch wenn gerade die heutigen CGM-Systeme sehr, sehr nah an den tatsächlichen Blutzuckerwerten sind, hängt die Gewebeglukose, die eben gemessen wird, ein paar Minuten hinterher. Heißt: Klar, möglicherweise kam das Essen schon längst im Blut an, ist aber auf dem Display noch nicht sichtbar. Vermutlich wirkt auch dein Insulin schon längst, aber auf dem CGM/FGM wird es erst in ein paar Minuten angezeigt. Geduld.


3. Blindes Vertrauen

Ich putze gerade das Bad. Irgendie fühle ich mich ein bisschen zittrig. Mein CGM zeigt einen Wert von 83 an. Naja, Putzen ist ja auch ein bisschen anstrengend manchmal. Als das Gefühl nicht besser wird, messe ich blutig gegen – und eine 56 lächelt mich an. Okay, also vielleicht doch mal etwas essen.

Auch wenn ich das Gefühl habe, gerade durch die Kalibrierungen beim CGM sehr genaue Werte zu haben, darf man nicht vergessen, was einem da gezeigt wird: Eben der errechnete Gewebezucker. Und der kann gerne mal hinterher hängen. Man sollte sich nicht blind auf die Werte auf dem Display verlassen, sondern auf die Signale des eigenen Körpers hören. Wie damals, als man nur blutig messen konnte. Gute, alte Zeit.


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4. Perfektionismus

Bei all den perfekt flachen Glukoseverläufen auf Instagram vergessen wir oft, dass auch stoffwechselgesunde Personen gewisse Schwankungen in ihren Blutzuckerwerten haben. Der normale Blutzuckerwert einer gesunden Person liegt bei rund 80mg/dl, phasenweise bei bis zu 120mg/dl und kann nach sehr kohlenhydratreichem Essen sogar mal auf 140mg/dl ansteigen. Merkt halt nur keiner, außer man pappt auch dieser gesunden Person ein CGM dran. Wie Sascha von Zuckerjunkies neulich so treffend sagte: Wir als Halb-Roboter sind hier quasi die Verlierer, weil wir jeden kleinsten Ausreißer live mitverfolgen können – und eliminieren wollen!

Meiner Meinung nach ist es nicht erstrebenswert, krassere Werte als ein Stoffwechselgesunder zu haben. Für mich sind Spitzen nach dem Essen durchaus vertretbar – auch jenseits der 140mg/dl oder gar, oh Schreck, weit jenseits der 160mg/dl – solange sie nach ein paar Stunden wieder in den Normbereich zurückkehren. Wie gesagt, auch bei Gesunden sind kleine Spikes normal und mir ist es das nicht wert, die Insulindosis penibelst genau auszurechnen und den Spritz-Ess-Abstand penibelst genau einzuhalten, nur um selbst nach dem Essen noch bei unter 90mg/dl zu bleiben.


5. Daten nie auswerten

Ja, ich muss es zugeben: Auch ich bin eine faule Sau, was Dokumentation angeht. Wirklich akribisch Tagebuch schreibe ich nur, wenn ich gerade was von der Krankenkasse brauche. Es ist aber auch ungemein praktisch, dass man die CGM/FGM-Daten einfach auf den PC ziehen und dort auswerten kann – nur BE oder Insulinmengen sind da halt leider noch nicht automatisch eingetragen. Genau die wären aber wichtig.

Aber, auch wenn man so faul ist wie ich und nie etwas einträgt: Ab und zu sollte man sich die Werte doch mal ansehen, egal wie genau dokumentiert wurde, um wiederkehrende Muster zu erkennen und auf sie zu reagieren. Denn wozu die ganze Datenflut, wenn wir sie am Ende unbeachtet lassen?


CGM FGM Daten Auswertung Fehler


Das waren meine Top 5 Fehler bei der CGM / FGM – Therapie, die ich auch selbst bei mir beobachten kann oder konnte.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder andere Punkte, auf die ihr eure Mit-Diabetiker gerne hinweisen würdet?
Erzählt es mir gerne in den Kommentaren 🙂


 

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